Aus Lütjenburg in die weite Welt

Manche Ehemalige des Gymnasiums Lütjenburg haben einen besonderen Lebensweg eingeschlagen. Volker Bromm (Abitur 1987) gehört zweifellos dazu. Nach seinem überragenden Abitur studierte er in Heidelberg und ging dann als Astrophysiker in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er heute als Professor an der University at Austin (Texas) lehrt. Aus doppeltem besonderen Anlass wurde er in seine alte Heimat eingeladen: Der Förderverein des Gymnasiums feiert seinen 50. Geburtstag, und die Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft (Sektion Lütjenburg) hat vor wenigen Wochen einen Wechsel in der Sektionsleitung (von Günter Krispin zu Lennart Wulf) erlebt. Dieser doppelten Einladung folgte Volker Bromm gerne, denn wie er an diesem Montag, dem 28.01.2019, in der Aula des Schulzentrums betonte, trägt er Lütjenburg immer in seinem Herzen und hat sehr gute Erinnerungen an seine Schulzeit. Nach einem kurzen Gespräch mit Frau von der Decken kam Prof. Bromm zu seinem Spezialgebiet - er referierte über "Das Ende der kosmischen Dunkelzeit". Hans-Jürgen Schekahn berichtete am 30.01.2019 in den Kieler Nachrichten ausführlich über diesen Abend.

Ein Abiturient kehrt als Forscher zurück

Volker Bromm: „Ich habe Lütjenburg immer im Herzen“– Einser-Schüler aus Schwartbuck lehrt heute in den USA

Von Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Er möchte dorthin blicken, wohin noch kein Mensch geschaut hat: zum Urknall vor 14 Milliarden Jahren. Der Astrophysiker Prof. Volker Bromm legte 1987 sein Abitur in Lütjenburg ab. Für einen Vortrag über die Anfänge des Kosmos kehrte der Wissenschaftler zurück an „sein“ Gymnasium.

„Ich war lange, lange nicht mehr hier“, sagte er zu Beginn zu den über 150 Zuhörern. Zuletzt bei der Abiturfeier seines Neffen. Nach seiner eigenen Schulentlassung 1987 habe er noch geglaubt, jährlich zu Besuch in seine Schule zu kommen.

Wegen des zu erwartenden Andrangs waren die Universitäts-Gesellschaft und der Förderverein des Gymnasiums, auf deren Einladung Bromm seinen Vortrag hielt, extra in die Mensa des Schulzentrums umgezogen. Lütjenburg sei immer in seinem Herzen geblieben, sagte Bromm, der seit vielen Jahren an der Universität in Austin in Texas lehrt. Ein gefragter Wissenschaftler, den auch das ZDF für seine Sendungen zum Thema Weltall konsultiert.

Bromm zeigte sich dankbar für seine Schulzeit am Lütjenburger Gymnasium und dem damaligen „fantastischen“ Schulleiter Wolfgang Will. Immer, wenn er als Schülervertreter mit seinen „verrückten Ideen“ bei Will vorstellig geworden sei, habe der ihn nicht ausgebremst, sondern ermuntert. „Er hat Schüler zur Eigeninitiative motiviert.“ Der Wahlspruch des Pädagogen sei gewesen: „Zu allen Schandtaten bereit.“ Nach einem Tipp für die heutige Schülergeneration gefragt, sagte Bromm: „Euch steht die Welt offen. Das ist wirklich wahr.“ Wenn man Ziele hat, solle man sich nicht davon abbringen lassen. „Lasst Euch dabei auch von Nackenschlägen nicht klein- kriegen.“

Der 51-Jährige erzählte von seinem großen Problem zu Beginn seiner universitären Laufbahn. In Schwartbuck bei Lütjenburg aufgewachsen, zählten Geschichte und Mathe gleichermaßen zu seinen Lieblingsfächern. Doch auf welche Wissenschaft soll man sich konzentrieren mit einem Einser-Abitur in der Tasche? „Das fiel mir sehr, sehr schwer.“ Schließlich sei er zur Astronomie gekommen, aus seiner Sicht die ideale Verbindung von Mathe und Geschichte. Sie sei die Geschichte des Universums, das man mit Berechnungen erforschen kann. Bromm spricht von „kosmischer Archäologie“. Er arbeitet an der Grenze der wissenschaftlichen Erkenntnis – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Hubble-Teleskop blicke man zwölf Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit. So lange benötigt das Licht und andere Strahlungen aus der hintersten Ecke des Universums bis zur Erde.

Weiter schauen bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren könne die Wissenschaft aus technischen Gründen noch nicht. „Kosmische Dunkelzeit“ heißt diese Lücke in der Erkenntnis der Wissenschaft. Bromm ist allerdings zuversichtlich, dass Forscher in den nächsten Jahren noch dichter an den Urknall schauen können. Die Nasa will 2021 das James-Webb-Space-Telescope ins All schießen. Eine Million Kilometer von der Erde entfernt soll es Einblicke in den frühen Kosmos geben, in die „ersten Quellen des Lichts“. „Davon werden Sie dann im Heute-Journal und den Tagesthemen hören.“ Das besondere Teleskop nannte er eine „unglaubliche Entdeckungsmaschine“. Es muss deshalb so weit von der Erde in Stellung gebracht werden, damit die Infrarot-Strahlung unseres Planeten die empfindliche Empfangstechnik nicht stört.

Bromm bewies auch seine rhetorische Schlagfertigkeit. Die vormalige Vorsitzende des Fördervereins des Gymnasiums, Anna von der Decken, hatte den Besuch eingefädelt und interviewte den Wissenschaftler zu Beginn. Dabei unterlief ihr ein Versprecher, als sie von „Astrologie“ statt von „Astronomie“ sprach. Bromm nahm die Verwechslung mit Wahrsagern und Hellsehern gelassen: „Da kann man mehr Geld verdienen.“

Der Astro-Physiker Prof. Volker Bromm (Mitte) hält einen Vortrag an seiner ehemaligen Schule, dem Lütjenburger Gymnasium. Lennart Wulf (Universitäts-Gesellschaft) und Ilona Lehmann (Förderverein Gymnasium) haben ihn dazu eingeladen. ©

 

   
© ALLROUNDER