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Einmal Brüssel und zurück

Am Donnerstag und Freitag, dem 07. und 08.03.2019 hatten die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs die Möglichkeit, ganz realistisch in die politische Welt Europas einzutauchen. Im Rahmen eines Planspiels, das zwei Referenten organisierten, schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rollen von Mitgliedern des Europäischen Parlaments bzw. des Europäischen Rats und konnten auf diesem Weg nachempfinden, wie Entscheidungen auf der Ebene des politischen Europas zustande gekommen. Zum Abschluss des Planspiels kam Reimer Böge in die Mensa des Schulzentrums, um Rede und Antwort zu stehen, denn naturgemäß sind während des Planspiels viele Fragen auf Seiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgetaucht. Böge ist seit nunmehr 30 Jahren Mitglied des Europäischen Parlaments. Das Gymnasium Lütjenburg nahm als einzige schleswig-holsteinische Schule an diesem Planspiel teil, wie auch Hans-Jürgen Schekahn in den Kieler Nachrichten vom 09.03.2018 ausführlich berichtet. Update: Zusätzlich präsentieren wir noch einen Fotobericht von Frau Strehl.

 
Gymnasiasten spielen EU-Politiker
 
Schule in Lütjenburg als einzige in Schleswig-Holstein für ein besonderes Projekt ausgewählt
 
Von Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Das Gymnasium Lütjenburg kam als einzige Schule in Schleswig-Holstein in den Genuss eines von der EU geförderten Projektes. Zwei Tage lang übernahmen 50 Schüler in einem Rollenspiel die Funktion von Ministern und EU-Parlamentariern. Sie wissen jetzt, warum EU-Entscheidungen so lange dauern.

Nur in 20 Schulen in Deutschland schickt die EU ihre Referenten, die das Rollenspiel leiten. Lehrerin für Wirtschaft und Politik, Maren Strehl, ist glücklich, dass die Wahl dabei auf Lütjenburg fiel. So intensiv hätte sie das Thema im normalen Unterricht nicht durchnehmen können. Jeder Schüler des 12. Jahrgangs erhielt ein Amt, ein Herkunftsland und Charakterzüge zugeteilt. Ihre Aufgabe: Eine europäische Richtlinie zur Einwanderungs- und Asylpolitik verabschieden. Genauso wie die Europagesetze das Prozedere vorschreiben.

Lowis Adam (18) aus Wittenbergerpassau übernahm das Amt des EU-Ratspräsidenten. Vermitteln. Überzeugen. Diskutieren. Sitzungen leiten. Wie in der Wirklichkeit in Straßburg und Brüssel. Eine Erkenntnis reifte bei ihm während der Politiksimulation. Selbst bei der Schülergruppe habe es nach den Regeln der EU über zwei Stunden gedauert, bis auch nur ein Thema abgearbeitet war. Die Entwürfe gingen vom Rat zum Parlament und wieder zurück. Bei 750 Parlamentariern und 28 Mitgliedsländern dürfte es entsprechend schwieriger sein, ahnt er.

Josefa Pöhls (17) aus Lütjenburg trat ebenfalls als Ratpräsidentin in dem Spiel auf. Die zwei Tage Sonderunterricht vermittelten ihr ein intensives Bild davon, wie die EU funktioniert. „Das wusste ich bisher nicht nicht so im Detail.“ Europa sieht sie als gutes Prinzip. Zusammen sei man stärker als allein.

Tom Harder (17) aus Behrensdorf brachte sich als Präsident des EU-Parlaments ein. „Sehr komplex,“ so empfindet er die Prozesse in der EU. Mit Respekt sehe er aber, wie die verschiedenen Meinungen und Interessen der Länder und Fraktionen gegeneinander abgewogen würden. „Ich habe einen Einblick bekommen, wie kompliziert das ist.“

Zum Abschluss diskutierten die Schüler mit einem echten EU-Parlamentarier. Reimer Böge, der seit 1989 Schleswig-Holstein im EU-Parlament vertritt, stellte sich den sehr detaillierten Fragen der gut vorbereiteten Gymnasiasten. Immer wieder wiederholte er eine aus seiner Sicht für Europa wichtige Denkweise: Die Dinge auch mal mit den Augen der anderen Parlamentarier aus anderen Ländern sehen. Die Schüler erfuhren, dass Böge nichts von Gruppen wie der Spaßpartei hält. Eine Steuerverschwendung, wenn Abgeordnete im Parlament sitzen, die keine Politik machen wollen. Dass er den Brexit für einen falschen Weg hält, er aber nach seinem Ausscheiden aus dem EU-Parlament im Frühjahr wohl öfter als bisher in London weilt. Dort lebt seine Frau. Eine Zypriotin mit britischem Pass. Er tröstet sich mit einem Gedanken: „Der Artikel 50 lässt es zu, nach einem Austritt wieder über einen Beitritt zu verhandeln.“ Kritisch sieht er im EU-Gesetzgebungsverfahren, dass die Fachminister im Gegensatz zum EU-Parlament hinter verschlossenen Türen tagen. Das sollte natürlich in der Öffentlichkeit geschehen. „Das müssen die noch lernen“, mahnte er die Ministerrunde.

Der Europaabgeordnete Reimer Böge besuchte den 12. Jahrgang des Gymnasiums Lütjenburg. Die Schule ist die einzige in Schleswig-Holstein, die in ein besonderes EU-Projekt aufgenommen wurde. ©
 
 
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Geschafft: Die Präsidenten des EU-Parlaments und des Europäischen Rats beglückwünschen sich zur Verabschiedung des neuen Gesetzes zur EU-Flüchtlingspolitik!
 
Die Abgeordneten des EU-Parlaments diskutieren einen neuen Gesetzesvorschlag.
 
Wenn 28 Mitgliedsländer im Europäischen Rat einen Kompromiss finden müssen, ist das gar nicht so leicht. Erschwerend kommt dazu, dass nicht nur die Mehrheit der Länder zustimmen muss, sondern diese auch 55 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren sollten. Da wird genau nachgezählt.