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SPOT ON - Eine Abendveranstaltung mit Schauspiel und Gesang

Am Montag, dem 06.07.2015, präsentierten der Fachbereich Musik am Schulzentrum sowie der Wahlpflichtkurs Ästhetik des 9. Jahrgangs von Frau Wegner-Krispin die Früchte ihrer regelmäßigen Arbeit an einem gemeinsamen Abend in der Agora. Für alle, die nicht dabei sein konnten, hat Maja Hohmann (Klasse 12c) einen Bericht verfasst, der im Folgenden zu lesen ist.

 

SPOT ON - Eine Abendveranstaltung mit Schauspiel und Gesang

Schon Tage vor dem großen Abend hängt überall in der Schule ein kleines Plakat als Einladung aus. Mitschüler verschwinden aus dem Unterricht, um zu proben. Die Spannung steigt und man fragt sich, was das wohl für ein Abend werden soll. Die ersten Gerüchte über Theater, Sologesang und selbstgeschriebene Szenen machen die Runde.

Und schließlich ist es so weit: Am 06. Juli 2015 trifft gegen 19 Uhr eine Horde unterschiedlichster Leute in der Agora zusammen. Darunter befinden sich stolze Eltern, erwartungsvolle Lehrer und Mitschüler, Kulturinteressierte, Frau Bock und Ben 7Rock (Siebenrock). Die Darsteller sind nervös und bereiten sich vor. Dem einen oder anderen wird schnell noch Mut zugesprochen, Texte werden geprobt und die Glieder gelockert.

Im ersten Programmteil wechseln sich Puppentheater und Gesang einer Sologruppe und des Chors ab. Man mag sich fragen, wie es dazu kommt, dass Puppentheater präsentiert wird. Dass unsere Schule musikalische Größen hervorbringt, ist ja schon fast schon nicht mehr verwunderlich, denn mit Herrn Berghaus von der Gemeinschaftsschule, Frau Müller und Frau Lücht vom Gymnasium ist unsere Schule mit außerordentlich engagierten Musikern gesegnet. Frau Wegner-Krispin hat für dieses Schuljahr Ästhetik als Wahlpflichtfach in der neunten Klasse angeboten. Da die Alternativen Latein und Angewandte Naturwissenschaften waren, fand der Kurs großen Zulauf. Die Schüler haben sich u.a. mit der Herstellung und Gestaltung diverser Marionetten auseinandergesetzt. Außerdem sind alle Charaktere und Dialoge komplett den Ideen der Schüler entsprungen. Auf der Bühne gibt es verschiedenste Monster und Außerirdische, einen Hipster, einen Araber und ein Faultiermädchen, Krähen, zwei paarungswillige Kerle und ein junges Mädchen. Moderiert wird zwischen den einzelnen Szenen von Reporter Günther, einer Holzpuppe mit Hemd und Schlips. Die Gespräche sprühen vor Witz und absurden Situationen, sodass es einigen vor Lachen die Tränen in die Augen treibt. Rührend sind auch die Gesangseinlagen zwischen den Stücken. Sowohl die Sologesang-AG als auch der Chor bieten mit Songs wie "It's Raining Man" und "I See Fire" eine glänzende Vorstellung.

Kurz vor der Pause erfolgt eine Danksagung an unseren Kulturpaten Ben Siebenrock. Wie Frau Bock erläutert, ist es nun endlich - nach einem gewaltigen Zettelkrieg, wie sich versteht - gelungen, der Schule ein gebrauchsfertiges Schlagzeug zu spenden. Um dies zu feiern, gibt Simon Bals dem Publikum ein wahres Feuerwerk an Kostprobe.

Weiter geht es mit dem Teil, der den Zuschauern die Sprache verschlägt und Beklemmnis hervorruft. Denn nun werden drei ausgewählte Spiele mit den Schülern als Darstellende präsentiert. Wie auch die vorherigen sind die Themen ohne Beeinflussung von Frau Wegner-Krispin gewählt. Sie selbst äußert starke Bewunderung für die Richtung, die die Verfasser einschlugen. Die Themen sind durchweg gesellschaftskritisch, sehr deutlich und emotional. Kaum zu glauben, dass so junge Leute schon mit so offenen Augen durch die Welt gehen und sich dazu aufgerufen fühlen, uns allen Missstände immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Los geht es mit drei Stücken geschrieben von Emily Luca Seubert über die Frauenschicksale in vergangener sowie in heutiger Zeit. Mit beachtlicher Schärfe zeigt sie, was Frauen dazu bringt, der Fügsamkeit zu entfliehen und was sie wieder dorthin zurücktreibt. Als nächstes werden mehrere Szenen aus Denise Arnolds Feder aufgeführt. Sie hat den Fokus auf Ausgrenzung gelegt. Bedrückung macht sich im Publikum breit, weil Denise dazu auffordert, Ungerechtigkeit nicht still schweigend hinzunehmen, nur um nicht selbst die Schusslinie zu geraten. Die letzte Inszenierung angefertigt von Arezoo Sarwari zeigt Sequenzen der Flucht aus Afghanistan, die sie in ähnlicher Weise selbst erlebt hat. Verzweiflung, Hilflosigkeit und Gewalt werden so überzeugend auf die Bühne gebracht, dass sich niemand wagt zu klatschen. Mut zur Hoffnung und Vertrauen, dass es irgendwann besser wird, unterstreicht das Lied Over The Rainbow nach der letzten Handlung. Insgesamt hat sich die Veranstaltung äußerst gelohnt und erneut hervorgehoben, wie schön und wertvoll Projekte enden können, wenn Herzblut in jeder Bewegung steckt.

Maja Hohmann 12c