Thema 12 (29.03.2020): Ironic

Der Titel orientiert sich an einem Song der Sängerin Alanis Morissette von 1995. In dem Lied geht es um kleine und große Ironien des Schicksals, also zum Beispiel Regenwetter am Tag der Hochzeit, eine Freifahrt, wenn man gerade das Ticket bezahlt hat oder eine ganze Besteckschublade voller Löffel, wenn man dringend ein Messer braucht.
Im Moment werden wir von diesen Ironien geflutet, also schnappt euch euren Zeichenstift, euren Fotoapparat, dreht ein Video oder schreibt Musik/ Texte. Bei diesem Thema funktionieren wieder alle kreativen Möglichkeiten. Und das Gute an der Ironie des Schicksals ist ja: Wenn man diese Momente teilt, werden sie weniger dramatisch und man kann fast ein bisschen drüber schmunzeln...

Meister der Ironie sind heute Morten, Laura, Isa, Henrike, Hannes, Valentin, Julia, Anna und Cordelia.

 

 

Thema 11 (28.03.2020): Abgefahren!

Also sofern es euer Radius im Moment zulässt: Ab auf alles, was Räder hat! Wer hat das „abgefahrenste“, gepimpte Fahrrad? Wer kann das tollste Auto designen? Wer kann das ungewöhnlichste Objekt mit Rädern versehen? Alles, was fährt und von euch gestaltet wurde, ist erlaubt! Ob gezeichnet oder gebastelt, aus Lego designed oder fotografiert, ...

Vielen Dank für die abgefahrenen Ideen an Frieda, David, Bo, Morten, Sebastian, Carlotta, Johann, Mattis, Isa, Valentin, Cordelia, Hannes, Henrike, Petter, Luise, Johann und Carl.

 

 

 

 

 

 

Thema 10 (27.03.2020): Upcycling

Unter „Upcycling“ versteht man, dass man aus Müll oder unbenötigten Gegenständen etwas herstellt, das man noch gut gebrauchen kann. Man spart also Abfall und Geld und gestaltet etwas ganz Eigenes. Man kann Verpackungen dafür verwenden, Kleidung, die zu klein geworden ist oder nicht mehr repariert werden kann, es funktioniert aber auch mit Möbeln oder Gebrauchsgegenständen. (Bitte bei den Möbeln erst eure Eltern fragen... ;o))
Für welche gebrauchten Dinge hast du eine Umgestaltungsidee? Wie könntest du alten Gegenständen in deinem Umfeld durch eine Überarbeitung eine neue Bedeutung geben? Welche Veränderungen wären witzig, welche nur praktisch?
Vielleicht fällt dir ja auch etwas ein, das von der stetig wachsenden Galerie-Gemeinschaft nachgebaut werden könnte?
Also: Spart Müll und tobt eure Kreativität aus!

Wir danken den Nachwuchsdesignern Carlotta, Johann, Luise, Carl, Henrike, Bo, Morten, Pontus, Petter, Anneke, Cordelia und Laura für ihre einfallsreichen Upcycling-Ideen.

 

 

 

Thema 9 (26.03.2020): Hey du....

„Hey du...“ ist eine Kommunikationseröffnung. Es kann einen Kontakt anbahnen, jemanden zurechtweisen oder foppen, aber auch liebevoll gemeint sein.
Wer fällt dir bei „Hey du...“ ein? Wem wolltest du schon länger mal etwas mitteilen? Das geht besonders gut über Worte (Nachwuchsautor*innen an die Front!), aber auch zum Beispiel über Bilderrätsel, Porträts, Fotos, Schilder, Videos oder symbolische Bilder, die nur der Angesprochene versteht. Vielleicht fühlt sich ja auch jemand berufen, eine musikalische Umsetzung ins Rennen zu werfen?
Hey du, ich freu mich auf deinen Beitrag ;o)

Die Kommunikationseröffnungen kommen von Carlotta, Fineas, Isa, Laura, Sebastian, Morten, Bo, Henrike, Anneke und Uli!

 

 

 

 

 

Thema 8 (25.03.2020): Schlaraffenland

Erinnert ihr euch an das Märchen? Paradiesische Zustände, bei denen man sich durch Berge von Essen futtert, das einem mit Glück sogar direkt in den Mund fliegt! Allerdings herrschen in diesem Land auch andere Regeln, als wir sie kennen: König wird, wer am dümmsten und faulsten ist...
Wer Lust hat, kann sich das Märchen ja noch einmal durchlesen, es enthält eine Fülle von Anregungen und man kann ein bisschen üben, altertümliches Deutsch zu verstehen ;o)
Und was macht ihr nun daraus? Wird das Schlaraffenland nachgebaut? Ruft ihr den Schlaraffenlandtag aus? Oder steht ihr der Sache vielleicht kritisch gegenüber?
Also ab durch den Reisbrei und los auf’s Schlaraffenland!

Vielen Dank für die leckeren Resultate an Carlotta, Fineas, Frieda, Elena, Lucia, Isa, Bo, Morten, Cordelia, Henrike, Phelina, Valentin, Anna und Julia.

 

 

 

 

 

Thema 7 (24.03.2020): Superheld*innen

Wie sieht ein Superheld* aus? Ist es verpflichtend, dass er/sie jung und durchtrainiert ist und knallbunte Rennrodelklamotten trägt, wobei sein oder ihr Name selbstverständlich auf „-man“ endet? Oder kann auch der nette, ältere, etwas dickliche Mensch aus der Nachbarschaft ein Superheld* sein? Bannt euren Superheld*en auf Papier, bastelt ihn, backt ihn ...oder noch besser: Verkleidet euch selbst und rettet eure (momentan in Quadratmetern doch ganz überschaubare) Welt!

Versteht sich, dass zukünftige Superheld*innen bevorzugt aus Lütjenburg und Umgebung kommen  ;o)

Passt auf euch und die Welt auf!

Herzlichen Dank für die Vorschläge zur Weltenrettung an Carlotta, Isa, Valentin, Julia, Anna, Morten, Lucia, Jette, Carla, Frieda, Laura, Leonie, Phelina, Sebastian und Emma.

 

 

 

 

Thema 6 (23.03.2020): Frei sein...

„Frei sein“ kann man in vielen Bedeutungen: für etwas, von etwas oder einfach auch im Ursprung der Bedeutung „nicht gefangen“ oder „ungebunden“.
Was für eine grundsätzliche Qualität „frei sein“ ist, erfahren wir gerade. Wir werden in Gewohnheiten eingeschränkt, die wir als selbstverständlich angesehen haben. Andererseits zeigt sich in dieser Krisensituation vielleicht, was „frei sein“ noch bedeuten kann: Sich aufgrund einer freien Entscheidung für das Gute und Vernünftige zu entscheiden.
Was bedeutet „frei sein“ für euch? Wer ist frei, wer nicht? Wie äußert sich dieses „frei sein“?
Das ist ein Thema, das sich wieder für alles Genres eignet, sicher auch für unsere jungen Autoren, die sich immer mehr aus ihren Verstecken wagen, was ich großartig finde. Wenn ihr noch zusätzliche Anregungen oder Schreibhilfe sucht, schaut mal auf der Website der „Bücherpiraten“ aus Lübeck vorbei. Die führen auch Video-Tutorials durch.

Fühlt euch frei, eure Ideen umzusetzen und denkt vielleicht auch mal darüber nach, was für ein hohes Gut unsere Freiheit eigentlich ist! Ich danke Laura ganz herzlich für diese interessante Themenidee!

Herzlichen Dank für die nachdenklichen und zum Teil sehr philosophischen Werke, auch in Textform, an Tobias, Fabian, Carlotta, Anneke, Antonia, Johanna, Valentin, Julia, Anna, Lucia, Birte, Ben, Sebastian, Bo, Morten, Laura, Leonie, Frieda, Phelina und Carla.

 

 

 

 

Thema 5 (22.03.2020): Geburtstag

Ist es nicht eigentlich ärgerlich, dass man nur an einem Tag im Jahr Geburtstag hat? Und den kann man sich noch nicht einmal aussuchen!

Zeit, das zu ändern!
Backt einen schönen Kuchen (irgendjemand muss ja die ganze Hefe und das Mehl verwerten), schmückt den Tisch und feiert einfach mit der ganzen Familie, dass ihr alle da seid. Plant euren nächsten Geburtstag mit allem Drum und Dran – wie sieht es aus, wenn ihr feiert? (Vielleicht tröstlich für die, die gerade tatsächlich Geburtstag haben und nicht mit ihren Freunden feiern können.) Zeichnet oder knetet eine ganz besondere Geburtstagstorte oder gestaltet euren Geschenketisch – jetzt wird das Leben gefeiert!

Wir danken Carlotta, Carolin, Hannes, Henrike, Sebastian, Anna-Lena, Bo, Morten, Frieda, Cordelia, Leonie, Johanna, Phelina und Julia für die leckeren und witzigen Inspirationen!

 

 

 

 

 

 

Corona-Aus-Zeiten - Schreib-Contest

Wann können wir uns mal ausgiebig Zeit für die Gestaltung eines kreativen Textes nehmen?

Nutzen wir die jetzige Auszeit, jetzt haben wir eine Chance, uns Zeit fürs Schreiben zu nehmen! Die Genre-Wahl ist frei (Berichte, Reportagen, Kommentare, Tipps und Tricks, Rezepte in Corona-Zeiten, Kurzgeschichten, Reden, Witze, Poetry Slams, Tagebuch-/Blogeinträge, fiktive Briefe, Gedichte, Comics, Hörspiele, Theaterstücke...). Viel Spaß beim Nachdenken, Formulieren, tolle Ideen haben, Verbessern, weiteres Nachdenken, jemandem Vorlesen, weiteres Formulieren. Schickt den Text nach Fertigstellung an Frau Strehl.

Und hier kommen die ersten Texte:

Thema A: „Leben in Corona-Zeiten“: Machen wir uns Gedanken, wie wir die möglicherweise veränderte Um-Welt aufnehmen, wie sich neue Möglichkeiten auftun, Möglichkeiten verschließen. Machen wir uns Gedanken um uns und unsere Um-Welt, um unsere Freunde, Familien und Gesellschaft…

Thema B: Die aktuellen Themen der Colour March Challenge von Frau Wegner-Krispin, wie z.B: „Mein vierbeiniges Haustier“, Die Farbe Schwarz

Thema C: freie Themenwahl: aktuelle Themen, die uns interessieren und berühren, z.B. Klimawandel, Freundschaft und Liebe, Ich und die Welt, usw.

Corona-Aus-Zeiten - Schreib-Contest, Thema C: freie Themenwahl

Wann können wir uns mal ausgiebig Zeit für die Gestaltung eines kreativen Textes nehmen?

Nutzen wir die jetzige Auszeit, jetzt haben wir eine Chance, uns Zeit fürs Schreiben zu nehmen! Die Genre-Wahl ist frei (Berichte, Reportagen, Kommentare, Tipps und Tricks, Rezepte in Corona-Zeiten, Kurzgeschichten, Reden, Witze, Poetry Slams, Tagebuch-/Blogeinträge, fiktive Briefe, Gedichte, Comics, Hörspiele, Theaterstücke...). Viel Spaß beim Nachdenken, Formulieren, tolle Ideen haben, Verbessern, weiteres Nachdenken, jemandem Vorlesen, weiteres Formulieren. Schickt den Text nach Fertigstellung an Frau Strehl.

Thema C: freie Themenwahl: aktuelle Themen, die uns interessieren und berühren, z.B. Klimawandel, Freundschaft und Liebe, Ich und die Welt, usw.

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Langeweile

von Antonia

Ich sitze hier in meinem Zimmer, weiß nicht, was ich machen soll. Jeden Tag das Gleiche. Aufstehen, Frühstücken, Hausunterricht, Mittagessen, noch mehr Unterricht und dann habe ich nichts mehr zu tun. Ich starre nur aus dem Fenster und schaue den anderen Kindern beim Fußballspielen zu. Oder ich liege in meinem Bett und lese. Doch ich habe schon alle meine Bücher mindestens zweimal durch gelesen. Wenn ich ein neues bekomme, habe ich nur einen Nachmittag damit zu tun, bevor mich die Langeweile wieder quält. Mir ist sooo langweilig. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Niemand macht etwas mit mir und ich darf nicht raus. Die Langeweile ist mein ständiger Begleiter. Jeden Nachmittag sucht sie mich heim, um mich zu quälen. Und ich bin es leid, die ganze Zeit nur in meinem Zimmer rumzuhocken und nichts zu tun.

Die anderen Kinder spielen draußen, doch ich, ich darf nicht raus. Nur weil ich in diesem beschissenen Rollstuhl sitzen muss, an den ich seit dem Unfall gefesselt bin. So oft ich meine Eltern auch anbettle, sie werden nicht weich. Sie sagen mir, es sei zu gefährlich. Doch sie verstehen nicht, wie es ist, wenn man mit zwölf Jahren nicht mit seinen Freunden Fußball spielen oder einfach nur rausgehen kann. Wie es ist, nicht laufen zu können und seine eigenen Beine nicht zu spüren. Sie verstehen nicht, wie es ist, keine richtige Kindheit zu haben.

Seit dem Unfall war ich die ganze Zeit alleine - also natürlich nicht richtig, sie waren immer da und auch jede Menge Ärzte - aber ich war wie von der Außenwelt abgeschottet, es durften mich noch nicht einmal Freunde hier besuchen, weil sie Angst haben, ich könne mir ein Virus einfangen. Also bin ich die ganze Zeit in meinem Zimmer mit meiner Langenweile alleine. Dann sagen meine Eltern mir auch noch ständig, ich solle zufrieden sein, dass ich überhaupt noch lebe. Doch was ist das für ein beschissenes Leben, das zu leben ich gezwungen bin. Ich werde niemals ein normales Leben führen können, werde nie wieder mit meinen Freunden draußen Fußball spielen können und nie wieder im Sommer an den See fahren können, um den ganzen Nachmittag mit meinen Freunden zu schwimmen.

Ich werde immer auf die Hilfe anderer angewiesen sein. Ich kann mich nicht alleine anziehen, mich nicht alleine in mein Bett legen und noch nicht mal alleine auf die Toilette gehen. Es ist ein schreckliches Leben und jemand, der es nicht selbst führen muss, versteht einfach nicht, wie schwer es für mich ist. Und meine Eltern erleichtern mir dieses Leben noch nicht einmal, indem sie mich von meinen Freunden besuchen lassen oder mich rauslassen, damit ich mit ihnen reden kann und sie mir helfen, mit meiner Situation klar zu kommen.

Sie sind einfach zu vorsichtig und jedes Mal, wenn sie mich ansehen, sehe ich diesen Ausdruck in ihren Augen. Die tiefe Trauer darüber, ihren gesunden, lebhaften Sohn verloren zu haben und stattdessen jetzt ein behindertes Kind an der Seite haben, um das sie sich die ganze Zeit kümmern müssen. Sie versuchen, ihre Trauer und ihre Enttäuschung über die Situation, so gut sie können, vor mir zu verbergen, doch es entgeht mir trotzdem nicht. Und jedes Mal, wenn ich diesen Ausdruck bei ihnen sehe, ist es, als würde mir irgendjemand mit einem Messer in die Brust stechen. Ich habe diesen Ausdruck schon tausendmal bei ihnen gesehen und trotzdem schmerzt es noch genauso wie beim ersten Mal. Ich weiß, dass sie es nur gut meinen und mir helfen wollen, doch mir ist nicht damit geholfen, wenn sie mich den ganzen Tag nur einsperren. Zumal ich während der Zeit, in der ich nichts zu tun habe, einfach nur vor mich hin starre und meinen Gedanken freien Lauf lasse.

Ich denke darüber nach, wie mein Leben jetzt wohl wäre, hätte es den Unfall nicht gegeben, und das führt dazu, dass ich mich noch schlechter fühle und in Selbstmitleid versinke. Ich frage mich in einigen Momenten der Verzweiflung manchmal, wie der Tod wohl ist und ob es auf der anderen Seite besser ist als hier, in diesem öden Haus. Doch dann zwinge ich mich jedes Mal, so etwas nicht zu denken, weil ich eigentlich noch gar nicht sterben möchte und ich mir denke, dass ich später immer noch genug Zeit haben werde, die Welt der Toten zu erkunden. Also beschäftige ich mich die Nachmittage so gut ich kann, manchmal male ich, manchmal schreibe ich eine Geschichte und manchmal lese ich ein Buch zum wiederholten Mal. Doch dann kommt die Nacht und die Nächte sind genauso schlimm wie die Tage, da ich Albträume träume und fast jede Nacht schweißüberströmt aufwache. Oftmals träume ich vom Unfall. Die Träume laufen dann eigentlich immer gleich ab. Ich bin gerade mit meinem Fahrrad auf dem Weg zu meinem Freund Nicky, bei dem ich die kommende Nacht verbringen würde. Es ist ein verregneter Tag, die Straßen sind nass und der Himmel ist dunkel. Meine Eltern wollten mich aufgrund des schlechten Wetters zuerst nicht fahren lassen, doch ich konnte sie überreden und sie ließen locker. Ich habe gerade ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft und drei weitere Autos fuhren hinter mir, als ich plötzlich einen Schatten neben mir aus dem Gebüsch springen sehe. Ich trete den Rücktritt bei meinem Fahrrad durch und ziehe die Vorderbremse. Die nächsten Sekunden erlebe ich wie in Zeitlupe. Mein Fahrrad geriet ins Schlingern, doch ich schaffe es nicht rechtzeitig und fahre in das Reh hinein, was vor mir über die Straße springt. Hinter mir höre ich Reifen quietschen und der Geruch von verbranntem Gummi steigt mir in die Nase. Die Scheinwerfer von dem Auto hinter mir kommen immer näher, doch ich habe nur Augen für das Reh, das vor mir auf dem Boden liegt und verzweifelt versucht, sein Bein aus meiner Fahrradkette zu befreien. Dann spüre ich, wie mich etwas hart am Rücken trifft und ein schrecklicher Schmerz durchzuckt mich. Das Auto, von dem ich angefahren wurde, staucht meinen ohnehin schon auf dem Boden liegenden Körper zusammen und zerquetscht meine Beine. Ein furchtbarer Schmerz fährt durch meinen Körper und meine Beine werden taub, was mir schreckliche Angst bereitet. Ich merke noch, wie mir irgendjemand mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchtet, bevor ich das Bewusstsein verliere. Das ist dann meistens der Moment, wo ich aufwache. Danach kann ich oftmals nicht mehr einschlafen, weshalb ich dann noch mehr Zeit zum Nachdenken habe und Zeit, in der mich die Langeweile wieder quälen kann. Da sind wir wieder beim Thema Langeweile, das ist nämlich auch der Grund, warum ich dies alles geschrieben habe. Das sind die Sachen, über die ich mir in den letzten vier Stunden den Kopf zerbrochen habe. Und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich etwas ändern muss, ich will kein depressiver Nichtsnutz im Rollstuhl sein, der seine Tage damit verbringt, in Selbstmitleid zu ertrinken, also muss ich etwas unternehmen, ich weiß nur noch nicht was, aber da wird mir schon noch etwas einfallen. Ich habe ja schließlich genug Zeit, mir etwas zu überlegen. Jetzt muss ich zum Abendessen gehen und danach ins Bett. Gute Nacht!

 

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Das Boot

Eine Kurzgeschichte von Mewes

Sie war bereits wach, doch ihre Augen hielt sie noch geschlossen. Ihr Rücken fühlte sich an, als hätte man einmal kräftig mit einem Brett darauf geschlagen, so fest und unbequem war der Boden, auf dem sie lagen. Auch als sie ihre Augen öffnete, war es noch stockdunkel. Lange konnte sie also nicht geschlafen haben.

Wind schlug ihr ins Gesicht, als sie sich aufrichtete, und trug den üblichen Geruch vonUnrat und Erbrochenem mit sich. Die Anderen waren ungewöhnlich laut, vielleicht war etwas passiert? Kurz stieg Panik in ihr auf, doch als sie feststellte, dass ihre beiden Jungen noch immer neben ihr lagen, war sie beruhigt und alles Andere schien egal. Ihre Söhne waren alles, was sie noch hatte, und ihr Zukunft war der Grund dafür, dass sie hier waren. Nur ein paar Meter entfernt von ihrem Schlafplatz wimmerte ein Säugling, doch mit der Gewissheit, dass es ihren eigenen Kindern gut ging, schlief sie schnell wieder ein.

Als sie nach einiger Zeit wieder aufwachte, war es hell. Die Sonne brannte auf sie hinab, ohne durch irgendetwas Schattenspendendes aufgehalten zu werden. Ihre Haut war trocken und verbrannt. Wie alle anderen hatte sie Hunger, aber das kannte sie ja schon. Den wenigen Proviant, den sie dabei gehabt hatte, hatte sie bereits ihren Söhnen gegeben. Die beiden saßen dicht aneinander gedrückt neben ihr an der niedrigen Bordwand. Sie hatten Glück gehabt mit den Plätzen, die sich hatten erdrängeln können, weiter in der Mitte des Bootes gab es keine Gelegenheit, sich anzulehnen. So saßen sie da, Stunden des Schweigens, auch wenn eine Unterhaltung sie vielleicht von ihrem Hunger abgelenkt hätte. Ihr fiel auf, dass der Wind über Nacht deutlich stärker geworden war und auch über den Tag hinweg immer mehr zunahm. Auf der ihnen gegenüberliegenden Seite des Bootes schwappte in unregelmäßigen Abständen bereits ein wenig Wasser ins Boot. Ein paar junge Männer wechselten sich damit ab, es direkt wieder ins Meer zu schöpfen. Vielleicht war dieser neue Umstand auch der Grund für die nächtlichen Unruhen gewesen.

Sie bat ihren Ältesten darum, den Männern zu helfen. Es waren die ersten Worte, die sie an diesem Tag gesprochen hatte. Er gab keine Antwort, richtete sich aber langsam auf und stieg wackelig und unsicher über die anderen Menschen, die eng beieinander auf dem Boden saßen und nicht einmal zu ihm aufsahen, wenn er direkt über ihnen stand. Seine Mutter beobachtete jeden Schritt, den er tat. Er kam auf der anderen Seite an. Obwohl ihr Sohn nur wenige Meter zurücklegen musste, schien er ihr unerreichbar. Er fing an zu schöpfen. Die bereits Schöpfenden schenkten ihm keine Beachtung.

Die Wellen schlugen immer höher und das instabile Boot geriet immer mehr ins Schwanken. Er bückte sich, er füllte die kleine Kelle mit Wasser, er goss es über Bord. Er bückte sich, er füllte die Kelle mit Wasser, er goss es über Bord. Er bückte sich, er füllte die Kelle mit Wasser und dann kam die Welle. Sie schlug mit ungeheurer Kraft gegen das Boot und die junge Mutter musste mit ansehen, wie ihr Sohn wie in Zeitlupe ins Taumeln kam und vornüber ins Meer stürzte. Sie schrie auf. Reflexartig kletterte sie über die anderen Menschen zu der Stelle, an der er eben noch gestanden hatte. Sie blickte sie in die blau-grauen Weiten, doch ihr Sohn war nirgends zu sehen. Also sprang sie.

Panisch riss sie unter Wasser die Augen auf, sehen konnte sie trotzdem nichts. In ihren Ohren toste es, ihr Herz schlug wie nie zuvor. Sie drehte und wendete sich in alle Richtungen, aber überall war es gleich dunkel und nirgends war eine Spur ihres Sohnes zu sehen. Sie spürte, wie Wasser in ihre Lungen drang und ein stechender Schmerz sich in ihren Ohren einnistete. Panisch strampelte sie um sich, in der Hoffnung wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen, Vergebens. Eine bisher ungekannte Schwäche zog in ihre Glieder. Während sie langsam in Richtung Meeresboden sank, machten sich unbeschreibliche Schuldgefühle in ihrer Brust breit.

Sie spürte ihren Schmerz nicht mehr, als sie noch ein letztes Mal zu dem Boot aufblickte.

Inzwischen war es nur noch ein schwammiger dunkler Fleck, sehr weit über ihr. Dann wurde alles weiß.

Schweißgebadet sprang sie aus ihrem Bett auf. Sie schlug sich ins Gesicht. Nun war sie wirklich wach. Sie ging zu den Betten ihrer Söhne. Beide schienen friedlich zu schlafen. Es war jetzt beinahe zwei Jahre her, dass sie mehr oder weniger gesund am europäischen Festland angekommen waren. Auf dem Boot befand sie sich dennoch jede Nacht.

 

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Der kleine Junge mit den großen braunen Augen

von Laura-Marie

Sie guckten ihn an. Auf der Straße guckten sie ihn an. Wenn sie in seinen Bus einstiegen, guckten sie ihn an. Sie verzogen das Gesicht, wenn sie ihn sahen. Manche mehr und manche weniger auffällig, aber sie verzogen das Gesicht. Sie starrten ihn an und wenn er zurück starrte, rümpften sie die Nase. So ging das. Jeden Tag. Seit 273 Tagen. Seit 273 Tagen hatte er nichts mehr gesagt. Vor 273 Tagen hat er angefangen zu zählen, an das, was davor war, erinnerte er sich nicht mehr. Seit 273 Tagen war er stumm. Er zeigte den Leuten die Preise auf dem kleinen Computer, aus dem auch die Tickets kamen. Sie wunderten sich, dass er nichts sagte und starrten ihn dann wieder komisch an. Gesagt hat aber keiner etwas. Ihn gefragt, warum er schwieg, tat keiner, aber verächtlich gucken, das konnten sie alle.

Er beobachtete die Stimmung der Leute. Wenn die Sonne schien, wirkten sie meist glücklich und wenn es regnete, eher bedrückt. So, wie an diesem Tag. Es regnete. Dicke Tropfen liefen über die große Frontscheibe. Er beobachtete, wie die Stärke des Regens sich veränderte. Große Tropfen, die mit lautem Aufprall die Scheibe berührten und dann wieder kleinere, dünne, die man kaum hörte. Er verstand, warum dieses Wetter die Leute traurig machte. Er hatte das Gefühl, dass auch er dieses Wetter einmal als bedrückend empfand, aber das war nur eine Vermutung. Er wusste es nicht. Seit 273 Tagen bewirkte es nichts mehr bei ihm. Seine Stimmung blieb gleich.

Leute stiegen ein und andere wieder aus. Er fuhr dieselbe Strecke. Seit 273 Tagen, jeden Tag. Früher, da ist er wohl auch andere Strecken gefahren, aber das war nur eine Vermutung. Er wusste es nicht. Viele Leute fänden es langweilig, jeden Tag dieselbe Strecke zu fahren, aber er nicht. Er mochte die Kontinuität.

Nächste Haltestelle, neue Leute. Ein kleiner Junge und seine Mutter blieben vor ihm und seinem Computer stehen, um zwei Tickets zu kaufen. Er machte alles so, wie er es immer tat. Der kleine Junge betrachtete ihn. Etwas an seinem Blick war anders. Er starrte nicht und er guckte auch nicht verächtlich oder angeekelt. Er guckte bloß. Als er ihm den Computer mit dem Preis hin drehte, betrachteten die großen braunen Augen ihn noch etwas eindringlicher. Aber nicht verachtend. Sie guckten nachdenklich und neugierig.

Seine Mutter zog an seinem Ärmel: „ Noah, geh weiter“. Er hieß also Noah. Noah, der kleine Junge mit den großen braunen Augen. Noah folgte seiner Mutter gehorsam. Noch am Abend dachte er über den kleinen Jungen nach, denn er hatte nicht verächtlich geguckt.

Am nächsten Tag stieg Noah erneut ein. Als er den Jungen sah, bemerkte er, dass sich etwas in ihm regte. Das erst Mal seit 274 Tagen spürte er etwas, was einem Gefühl ähnelte. Ja, er war froh, den kleinen Jungen mit den großen braunen Augen wieder zu sehen. Er wusste nicht an was und er wusste nicht warum, aber er wusste, dass er ihn an etwas erinnerte.

Diesmal schwieg der Junge nicht. Er fragte ihn, was mit seinem Gesicht passiert sei. Seine Mutter gab ein genervtes Geräusch von sich. Doch er spürte erneut etwas. Der kleine Junge war der erste, der ihn fragte, was mit ihm passiert sei. Er sagte nichts. Er war ja stumm. Seit 274 Tagen war er stumm. Doch er regte seine Gesichtszüge ein wenig. Man könnte meinten, er versuchte zu lächeln.

Noah stieg von nun an täglich in seinen Bus. Er stieg immer an derselben Haltestelle ein und an derselben wieder aus. Das merkte er sich. Er merkte ebenfalls, wie er sich schon nach seinem Aussteigen wieder darauf freute, Noah und seine großen braunen Augen am nächsten Tag wieder zu sehen. Ja, er freute sich.

Jeden Tag sagte der kleine Junge etwas zu ihm. Erst waren es nur Fragen. Er fragte, was mit seinem Gesicht passiert sei und warum er nicht sprach. Natürlich antwortete er nicht. Später fing er an, von sich zu erzählen. Er sagte, dass er seine Geduld bewundere und dass er es erstaunlich fände, wie er jeden Tag das Gleiche machen könne, ohne sich zu langweilen. Er erzählte, dass er Tennis spiele. Das erinnerte ihn ebenfalls an etwas. Doch er wusste nicht woran. Natürlich nicht.

So ging das bis Tag 361. Es war wieder einer dieser Tage, an denen die Leute bedrückt wirkten und an denen er die Tropfen auf der Frontscheibe betrachtete. An Tag 361 sah er, wie Noah über die Straße lief, um den Bus zu bekommen. An Tag 361 hörte er, wie Noahs Mutter den Namen ihres Sohnes schrie. An Tag 361 sah er, wie Noah von einem Auto überfahren wurde.  Das Auto hatte so viel Geschwindigkeit, dass es anschließend gegen eine Hauswand geschleudert wurde und anfing zu brennen. Da schrie er auf. Alle Emotionen der letzten 361 Tage prasselten auf ihn ein. Alles, was er nicht gespürt hatte, spürte er jetzt auf einen Schlag. Er erinnerte sich wieder an das, was vor 361 Tagen passiert war. Er wusste wieder, was mit seinem Gesicht passiert war. Er hatte einen Autounfall. Das Auto brannte. Sein Gesicht verbrannte. Er fuhr mit seinem Sohn zum Tennis. Sein Sohn hatte große, braune Augen.

Er weinte. Er weinte aus Trauer um seinen Sohn und er weinte um Noah. Doch er weinte auch, weil er wieder dazu in der Lage war. Er konnte wieder fühlen.

An Tag 372 ging er zu Noahs Beerdigung. An Tag 372 stand er vor Noahs Sarg und sagte: „ Danke“, denn Noah hatte ihm seine Stimme zurückgegeben.

 

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Corona-Aus-Zeiten - Schreib-Contest, Thema B: Themen der Colour-March-Challenge

Wann können wir uns mal ausgiebig Zeit für die Gestaltung eines kreativen Textes nehmen?

Nutzen wir die jetzige Auszeit, jetzt haben wir eine Chance, uns Zeit fürs Schreiben zu nehmen! Die Genre-Wahl ist frei (Berichte, Reportagen, Kommentare, Tipps und Tricks, Rezepte in Corona-Zeiten, Kurzgeschichten, Reden, Witze, Poetry Slams, Tagebuch-/Blogeinträge, fiktive Briefe, Gedichte, Comics, Hörspiele, Theaterstücke...). Viel Spaß beim Nachdenken, Formulieren, tolle Ideen haben, Verbessern, weiteres Nachdenken, jemandem Vorlesen, weiteres Formulieren. Schickt den Text nach Fertigstellung an Frau Strehl.

Thema B: Die aktuellen Themen der Colour March Challenge von Frau Wegner-Krispin, wie z.B: „Mein vierbeiniges Haustier“, Die Farbe Schwarz

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Frei sein...

von Emmylou

Zur Zeit der Selbst-Isolation fühlt man sich ganz klar in seiner Freiheit eingeschränkt. Man kann nicht mehr sich frei überall hinbewegen, sich mit Freunden treffen und einen schönen Tag zusammen verbringen, mit den Großeltern zusammen Kuchen essen,  Shoppen oder ins Kino gehen oder Veranstaltungen besuchen und Vieles mehr. Das ist ganz klar frustrierend. Man merkt nun erst richtig, wie wichtig und selbstverständlich die Freiheit für uns ist. Aber obwohl uns ein Teil unserer Freiheit genommen wurde, gibt es meiner Meinung nach auch eine Freiheit, die uns gegeben wurde. Mit all den negativen Einschränkungen, finde ich, sollte man auch einen Blick auf die positive Seite werfen. Da wir nun nicht jeden Tag um acht Uhr in der Schule sein müssen, hat man die Freiheit, sich die Zeit und die Aufgaben selbst einzuteilen. Man hat nun auch mehr Zeit, mit seiner Familie zu verbringen, zusammen zu essen, einen Film zu gucken oder Spiele zu spielen oder sich einfach mal zu entspannen und ein gutes Buch zu lesen. Mir persönlich hat diese neu gewonnen freie Zeit dabei geholfen, neue Dinge, Dinge die ich schon immer mal machen wollte, auszuprobieren. Besonders Spaß hat es mir in letzter Zeit gemacht, ein paar ausgefallene Rezepte auszuprobieren, welche schon lange in meinen Lesezeichen gespeichert waren.

Deswegen hier drei Rezepte und Fotos von Gerichten, die ich die letzten Tage über gekocht/gebacken habe.

 

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"Hey Sie, dabei würde ich lieber Hey du sagen"

Die Geschichte eines kleinen Mädchens

von Laura

Das Mädchen hieß Lilli. Sie geht ganz normal zur Schule wie alle anderen Kinder auch. Doch Lilli hat keine Freunde. Ihre Mitschüler beachten sie nicht. Lilli ist für alle nur das kleine, schüchterne Mädchen, das immer alleine am Rande des Schulhofes steht. Keiner von ihnen redet mit ihr, aber trotzdem geht sie immer gerne zur Schule. Dafür gibt es einen ganz besonderen Grund. Davon möchte Lilli aber selber erzählen:

Weißt du? Es gibt da so einen Menschen. Der ist ungefähr so groß wie meine Mama. Hat dunkelbraune, fast schwarze Haare, die ungefähr bis zur Schulter gehen. Der Mensch, von dem ich spreche, ist eine Frau. Und diese Frau hat ein unglaublich schönes Lächeln. Immer wenn wir uns sehen, lächelt sie mich an. Dann kann ich gar nicht anders und muss einfach zurücklächeln. Aber ich kenne diese Frau nicht wirklich. Ich weiß nicht mal, wie sie heißt. Eine Sache weiß ich aber. Sie muss eine Lehrerin sein. Woher ich das weiß? Das ist ganz einfach. Sie hat nämlich immer eine Tasche über der Schulter hängen, wenn sie von Raum zu Raum geht. Irgendwann möchte ich auch mal so eine Tasche haben.

Seit meinem ersten Schultag sehe ich diese Frau täglich. Jeden Morgen lächelt sie mich an, während ich auf der Heizung vor meiner Klasse sitze und darauf warte, dass der Unterricht beginnt. Jeden Tag macht mich ihr Lächeln sehr glücklich. Dann ist es mir ganz egal, was die anderen sagen, wenn sie mich mal beachten.

Meine Eltern fragen immer, ob ich nicht mit anderen Kindern spielen möchte. Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass die keine Zeit haben. Leider kennen sie mich zu gut, also haben sie mir das natürlich nicht geglaubt. Schön wäre es, wenn sie mich mal nicht so gut kennen würden. Tag für Tag, wenn diese Frage wiederauftaucht, werde ich sie mit der gleichen Aussage beantworten und hoffen, dass sie mich damit irgendwann in Ruhe lassen werden. Es macht traurig, dass sie mich und die Situation nicht so sein lassen können, wie es ist. Immer und immer wieder kommen sie damit auf mich zu. Dabei habe ich doch eigentlich gar kein Problem damit.

Als Mama dann eines Tages sagte, sie holt mich morgen von der Schule ab, hatte ich gleich ein komisches Gefühl.

Als ich am nächsten Morgen in die Schule kam, saß ich wieder allein auf der Heizung vor meiner Klasse, während die anderen Kinder auf dem Flur spielten. Heute war ein komischer Tag. Einer der Jungs rief über den Flur, dass ich mal rüberkommen soll. Ich hatte Angst, weil das vorher noch nie passiert ist und ich nicht wusste, was er vorhat. Die haben vorher so komisch getuschelt. Und bevor ich fragen konnte, was er von mir will, schubste er mich gegen die Wand. Als hätte ich gewusst, dass hier was nicht stimmt. Ich hatte Glück und bin nicht hingefallen. Die anderen fanden es aber so lustig, dass sie mitmachten. Ich fühlte mich hilflos und bevor ich um Hilfe rufen konnte, lag ich schon auf dem Boden des Flures.  Die Tritte und Schläge, die auf meinen Körper einprasselten, spürte ich noch deutlich. Sie schrien irgendwelche Beleidigungen, die ich nicht verstand. Ein stechender Schmerz fuhr mir durch den Körper. Danach fühlte es sich an, als wäre ich in einem Traum. Wie in einer immer größeren Luftblase wurden die Schreie, Rufe, Tritte und Schläge immer dumpfer, bis ich nichts mehr spürte.

Dann öffnete ich die Augen. Es war ein bläuliches Grün an den Wänden. Mir wurde gleich klar, dass ich nicht mehr in der Schule war. Aber wo dann? Irgendetwas piepte in regelmäßigen Abständen. Ich wusste nicht, wo ich war und schloss die Augen wieder. Kurze Zeit später hörte ich plötzlich eine Stimme, die ich zuvor noch nie direkt zu mir hatte sprechen hören. Aber irgendwoher kannte ich sie. Sie sagte ganz leise und flüsternd zu mir: „Hey du, du bist im Krankenhaus. Hier helfen sie dir. Kannst du lächeln?“ Als sie den letzten Satz beendet hatte, wusste ich, wer es war. Ich riss die Augen auf, sie standen voller Freudentränen, die langsam meine Wange hinabrannen.  Durch den wässrigen Schleier in meinen Augen konnte ich nicht klar sehen. Doch ich konnte deutlich die dunkelbraunen, fast schwarzen Haare und das Lächeln erkennen, das mich Tag für Tag dazu motiviert hatte, in die Schule zu gehen. Das mich jeden Tag glücklich gemacht hatte.

Ich erinnerte mich an das, was passiert war. Als ich aufhörte zu weinen, schaute ich in die dunklen Augen der Frau, deren Namen ich noch immer nicht kannte, was mir jetzt aber auch nicht so wichtig war. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, oder wie ich anfangen sollte. Mit stockender Stimme fing ich an: „He... Hey du. Nein, Entschuldigung.“ Ich wartete noch einen Moment, bis ich neu ansetzte: „Hey Sie. Danke, dass Sie auf mich aufgepasst haben.“ Sie guckte mich an, sagte aber nichts. Sie zögerte, nahm mich dann aber in den Arm. Und flüsterte mir ins Ohr: „Lilli, du kannst ruhig „Hey du“ zu mir sagen. Ich bin Nina.“

Gern erinnere ich mich an diesen Tag zurück. Dieses Lächeln werde ich nie vergessen.

 

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Frei sein... - Poetry Slam

von Laura

Frei sein, alle wollen frei sein,

doch wann sind sie frei?

Wann bist du frei und wann bin ich frei?

Wann sind wir frei?

Schwere Frage, denn jeder sagt, frei sein wäre anders.

 

Das kann man nämlich auf vielen Wegen.

Zum Beispiel, wenn man die Möglichkeit hat, etwas zu tun, egal was.

Und auch, wenn man etwas nicht mehr tun muss.

Gerade jetzt sind wir dazu angehalten, etwas nicht mehr zu tun,

etwas nicht mehr tun zu müssen und etwas nicht mehr tun zu dürfen.

Täglich zur Schule oder zur Arbeit zu gehen.

Sich einfach mal mit Freunden treffen.

In die Stadt fahren und ein bisschen bummeln.

All das geht gerade nicht mehr so, wie wir es gewohnt waren.

Wie es selbstverständlich für uns war.

Aber sind wir dadurch jetzt unfrei?

Und wer sagt, dass wir davor frei waren?

Schwere Frage, denn jeder sagt, frei sein wäre anders.

 

Es ist davon abhängig, was jeder Einzelne fühlt.

Was jeder Einzelne gerne mag:

Allein sein, oder mit anderen sein.

Einen geregelten Alltag zu haben oder sich selber zu bestimmen.

Es ist davon abhängig, wie jeder Einzelne ist:

Ein Kreativkopf oder einer, der lieber Anweisungen befolgt.

Ein kleiner Chaot oder ein Organisationsfreak.

Egal in welcher Situation man ist, jeder träumt vom Freisein.

Und wenn es dann soweit ist, der Traum ist Realität,

dann will man wieder frei sein.

Ein Teufelskreis.

Kann man jemals frei sein, ohne sich nach etwas Anderem zu sehnen?

Schwere Frage, denn jeder sagt, frei sein wäre anders.

 

Frei sein hat so seine Vor- und Nachteile.

Frei sein kann glücklich und gleichzeitig traurig machen.

Frei sein kann einen woanders auch einschränken.

Frei sein ist wie eine Waage.

Ein Gleichgewicht von etwas macht es schön.

Dieses Etwas muss aber jeder für sich selber finden.

Etwas, das eine spektakuläre Mischung macht.

Etwas, das einen einfach glücklich sein lässt.

Das zu finden, kann auch eine schwere Frage sein.

Doch wenn du mit dem Herzen dabei bist, findest du auch das!

Denn wenn man frei ist und sich über etwas Gedanken macht,

nicht mehr aufhören kann, daran zu denken, dann ist etwas gut.

Dann kannst du frei sein.

 

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Frei sein

von Anneke

Frei sein ist es, ungebunden zu sein, nicht gefangen zu sein, oder? Ich sehe das anders. Naja, nicht ganz anders, man hat schon Recht, wenn man sagt: „Ich bin frei“, im Sinne von „Ich bin ungebunden“. Dennoch ist der Begriff von Freiheit viel mehr als das, viel vielfältiger.

Ich verbinde den Begriff „Freiheit“ mit der Thematik im philosophischen Sinne; Bin ich eigentlich frei? Und, wie bin ich frei, was macht mich frei? Daran lässt sich schon eine Vielfältigkeit erkennen, denn man kann den Begriff doch in jeder Lebenslage einsetzen, oder nicht?

„Wir haben Schluss gemacht, jetzt bin ich frei.“

„Mit dem Rauchen aufzuhören, lässt mich frei fühlen.“

„Nachdem ich nun meinen Job gekündigt habe, bin ich wieder frei.“

Ich finde, dabei fällt auf, dass sich der Begriff nun doch mehr mit etwas verbinden lässt, was man loslässt, aufgibt oder vielleicht sogar bedacht aufhört, für das eigene Wohlergehen, aber auch für seine Mitmenschen. Man kann sagen, dass man sogar hierbei die Freiheit der Interpretation offen hat. Wie interpretiere ich für mich selbst eigentlich Freiheit? Ich persönlich gehe dabei auf meine eigenen Präferenzen ein, was mich zu einem freien, aber auch damit verbundenen, glücklichen Menschen macht.

Ich finde, an erster Stelle steht man selbst, das hört sich nun egoistisch an, aber wenn man nur auf andere achtet, wo bleibt dann die Freiheit? Ich bin frei, meine Kreativität auszuleben, den Musikgeschmack, den ich habe, den Malstil, der mir in den Fingern sitzt, die Kleiderwahl, die  aufgrund gesellschaftlicher Normen und Werte dennoch eingeschränkt ist, die Freiheit über meine eigene Sexualität entscheiden zu können, zu wählen, was ich denke, fühle und möchte, ganz unabhängig davon, was ein anderer als Freiheit empfindet. So hat doch jeder Mensch eine ganz andere Ansicht auf den Begriff „Freiheit“ und die damit verbundenen Werte. Zu sagen, man ist frei, ist einfach, aber man sollte sich klarmachen, was das für Einen bedeutet und inwieweit man trotzdem eingeschränkt bin.

Wenn meine Mama mir erlaubt, dass ich mich mit Freunden treffen darf, mir die Freiheit lässt, zu entscheiden, welche Freunde ich treffe, mir aber dennoch sagt, ich muss davor unbedingt meine Hausaufgaben erledigen und ihr aushändigen, bevor ich gehe, dann ist das ist keine Freiheit, das ist ein Kompromiss (Sicherlich werden sich viele Eltern und Lehrer nun denken „Das sind ja nur Schüler-Ansichten“, ja, tatsächlich, ist das so, so fühlen wir uns.). Wo wir gerade beim Thema Schule angelangt sind, bin ich da denn nicht auch frei? Ich beginne damit, dass ich eine Person bin, die gerne zur Schule geht, sich freut, meine Freunde wiederzusehen, die vor allem den geordneten Tagesablauf sehr gut findet, denn somit kann ich besser meinen Alltag planen. Dennoch fühle ich mit in der Schule am meisten dadurch eingeschränkt, dass ich nicht, bzw. nur die eingeschränkte Wahl der Fächer bezogen auf meine Interessen habe. Gut, ich selbst kann mir auch einen Stundenplan alleinig aus Musik, Kunst und Englisch bestehend selbst nicht wirklich vorstellen und empfinde dies auch als sehr extrem, aber trotzdem habe ich kein Gefühl von Freiheit, wenn ich in der Schule bin. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mir Dinge wie den Stundenplan, die Lehrer, die Länge der Stunden usw. nicht selbst auswählen kann, denn das hat ein Anderer für uns alle beschlossen, das wird auch immer so sein.

Es wird immer Menschen geben, die uns in unserer Freiheit einschränken, sei es das Bildungsministerium, die Eltern, Freunde und Bekannte, oder einfach auch Fremde, Anonyme, welche dich ohne Kontext verabscheuen (Homophobie, Rassismus, oder einfach Neider, Hater und Menschen aus dem normalen Leben, die Bock drauf haben.)

Seit vielen Jahren schon versuchen Menschen für ihre Freiheit zu kämpfen, was mich sehr zum Denken anregt. Ich denke mir: „Lasst die Leute leben, akzeptiert sie und euch selbst und kümmert euch um euren eigenen Mist!“ Aber warum funktioniert das nicht? Weil Menschen eingeschränkt sind, eingeschränkt ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und sich um ihre eigenen Dinge zu kümmern. Der Ursprung des Freiseins geht immer von zwei Menschen aus, der eine fühlt sich frei, der andere gibt dem Freien Regeln, Werte und Normen. Menschen halten sich an Regeln, Werte und Normen, aber für mich wäre dabei unvorstellbar, dass diese Menschen glücklich sind. Natürlich kannst du so unbesorgt leben, aber wo bleibt die Individualität, die uns als Menschen ausmacht.

David Hasselhoff, George Michael, welche berühmte Songs schrieben, welche sich in vielen Aspekten um das Thema Freiheit drehten. Harriet Tubman, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Dalai Lama… und noch viele mehr, die sich für die Rechte von Menschen eingesetzt haben, damit Großes erreichen wollten, für die, deren Freiheit sehr eingeschränkt, bis eigentlich nicht vorhanden war.

Wir Menschen sind Wesen, deren Gedankengänge, Vorstellungen und Wahrnehmungen in so einem großen Ausmaße unterschiedlich sind, sodass es eigentlich unmöglich wäre, dass wir alle zusammenleben. Dennoch machen wir es möglich, indem wir Menschen die Freiheit lassen, sich auszuleben, Dinge zu tun, die gut oder schlecht sein können, zu denken, zu sehen und zu hören, was sie wollen.

Aber es geht immer ein Stück besser, wenn wir uns in Akzeptanz, Geduld und Vielfalt üben, uns mal entscheiden, was Freiheit für sein eigenes Ego bedeutet und sich klar machen, dass ein Zusammenleben immer funktionieren kann, wenn man den Menschen Freiheit bietet und sich um seine eigene Freiheit kümmert.

 

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