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Was für ein toller Ausflug! Es war so: Am Ende des Austauschs waren wir eine lokale Berühmtheit, gefragte Musikvideo-Darsteller und Freunde, die unter Tränen verabschiedet wurden.

Wie alles begann: Die 9-stündige Anreise aus Lütjenburg (5 Uhr aufstehen, um 6:30 Uhr los, Koffer abgeben bis 7 Uhr, Flug um 8:40 Uhr, Landung um 13:24 Uhr in Tallinn mit Zwischenstopp in Riga, raus aus dem Flughafen, rein zu Ludwig in den Bus (ein alter Seebär, der zur Marine fuhr und sowohl Lübeck als auch Kiel wie seine Westentasche kennt) und Ankommen in Rakvere um 15:15 Uhr.

Das war ein komisches Gefühl: Eine müde Truppe aufgeschlossener und enthusiastischer Schüler aus Lütjenburg trifft auf eine Schar aus fremden Menschen aus Estland, die genauso wenig Ahnung davon hatten, wie ein Erstkontakt nach 15 Jahren ruhenden Austauschs unserer Schulen auszusehen hat.

Nach einem kurzen Beschnuppern und Abtasten des jeweils anderen ging es also für alle in unbekannte Gewässer und es hieß, alleine klarzukommen und die Familien mit eigens eingeflogenen Mitbringseln zu überzeugen. Wir lernten fix, dank gebrochenem Deutsch auf der einen Seite, noch schlechterem Estnisch auf der anderen Seite und für beide Seiten irgendwie unterschiedlichem Schulenglisch, dass sowohl Honig als auch Marmelade durchaus gängig in Estland waren (unsere Gastgeschenke, die uns als Gastgeschenk von einer Estin empfohlen wurden) und für leichtes Stirnrunzeln, aber auch eine erste Belustigung sorgten.

Das Kennenlernen war vollzogen, der Erstkontakt geschafft und am nächsten Tag gab es geballte nationale Identität der Esten in Form von Volkstänzen und Liedern sowie ein ungläubiges Staunen über das, was die Esten bescheiden Schulgebäude nennen und wir nur als durchaus ungewollt bewässernden Betonklotz aus den Siebzigern kennen. Die Schule ist im Jahre 2022 fertiggestellt worden und sieht aus wie von einem anderen Stern, so dass wir direkt sagten, dass die Esten sich einen Gegenbesuch sparen könnten, solange unser Gebäude nicht mindestens renoviert wird. Wir näherten uns nicht nur bei den Tänzen an, in denen wir sofort unsere eher steifen Hüften präsentieren durften, sondern ebenso in spannenden Unternehmungen, die wirklich interessant, landschaftlich beeindruckend und teilweise spektakulär waren. Wir sahen einen Nationalpark (Welcome to the Wetlands), waren in Rakvere,  der Stadt von Arvo Pärt (der meistgespielte noch lebende Komponist der Jahre 2022 bis 2025), im Rathaus, in der Musikhalle, auf der Burg, am Strand und vieles mehr.

Was war das Beeindruckendste? Vielleicht die Grenzstadt Narwa, bei der sich zwei Grenzburgen bis heute gegenüberstehen und zeigen, wie Europa ohne europäische Einigung aussehen könnte; vielleicht unser Saunatag im besten Spa von Viruma (Nordestland), der die estnische Saunakultur im Sinne eines estnisch-deutschen Kulturaustauschs darstellte; vielleicht der Nationalpark, der die Rauchschwalbe (estnischer Nationalvogel) beherbergte und grenzenlose Natur offenbarte; vielleicht die Burg in Rakvere, erbaut aus Kalkstein (estnischer Nationalstein), durch die Timon, ein schottischer Legionär, uns führte (weswegen ein schottischer Legionär, bleibt für euch ein Geheimnis, nicht für uns); vielleicht das Speedbootfahren, bei dem Imre uns durch die alten und renaturierten Schieferöl-Minen bei 60 km/h durch die Wellen peitschte; vielleicht aber auch Tallinn, die estnische Hansestadt und Hauptstadt, die wir besuchten und das mittelalterliche, aber auch politische Estland erfuhren.

Am Ende war es vermutlich nichts davon, oder nicht nur das, sondern vielmehr die Menschen, die uns diese Dinge zeigten und uns mit in ihre Welt nahmen. Unser Programm, das die Esten uns mit durchaus ausbaufähigen Referaten auf durchaus ausbaufähigem Deutsch erleben ließen, war fantastisch, aber noch besser waren die Momente ohne Lehrer, ohne Programm oder externe Erwartungen. Es waren die Momente, in denen man spontan lachte, weil jemand nicht die richtigen Worte fand, um eine coole Geschichte zu erzählen. Es waren die Momente in den Familien, zu denen wir zu einem kleinen Teil dazu gehörten, es waren die Saunaabende, die gemeinsam verbracht wurden, es waren die Feiern, die zu unseren Ehren (zumindest wurde es so gesagt) gefeiert wurden (die Party im Parkhaus ist bereits jetzt legendär), und es waren die Menschen, die uns in ihr Zuhause einluden und die es trotz möglicherweise unterschiedlicher Sprache/ unterschiedlichen Erwartungen und Möglichkeiten schafften, dass diese Woche ein unvergessliches Ereignis für uns wurde. 

Wir freuen uns auf den Gegenbesuch in Mai 2027 (es folgt ein Arbeitsauftrag), sofern der Betonklotz aufgemöbelt wird. 😉

Bericht: Team Rakvere

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